…Diesen Tausch erlebten im März die Schülerinnen und Schüler der beiden 9. Klassen der Kuhlenkampschule hautnah während des Projektes „Babybedenkzeit“.

Das Projekt will Jugendlichen aufzeigen, was es heißt, Verantwortung für ein Baby zu übernehmen - rund um die Uhr, aber im Laufe dieses Projektes nur für eine begrenzte Zeit.  Die Schüler*innen versorgten in Zweierteams acht lebensnahe Säuglingssimulatoren während des gesamten Schultages undauf dem Schulweg in Bus undTaxi. Eine besondere Herausforderung war die komplette Versorgung des „eigenen Babys“zuhause, wo sie dann ab mittags bis zum nächsten Morgen auf sich allein gestellt waren. Das Projekt wurde von den Frühen Hilfen der Stadt und des Kreises Minden begleitet, die die Babysimulatoren auch zur Verfügung gestellt haben. Mirjam Frömrich von den Frühen Hilfen erklärte den Schüler*innen  die  Bedürfnisse von Neugeborenen. Melanie Bradfisch- Mayer startete als Hebamme mit Informationen zu ihrem Beruf und dem Umgang mit den Babypuppen. Die Babys schreien, haben Hunger, brauchen eine frische Windel oder möchten  auf den Arm genommen werden. Einfach das Baby irgendwo abzulegen war nicht möglich. Je nach Programmierung schreien sie tags und nachts zu unterschiedlichen Zeiten. Versorgen können sie nur die Schüler*innen, die über einen Chip am Arm mit ihrem Baby verbunden sind.  Im Unterricht wurden „die Eltern“ immer wiederabgelenkt und gefordert und mussten auf das Babygeschrei schnell und richtig reagieren. Ein Computerprogramm zeichnet auf, wie gut oder schlecht die Babys versorgt wurden. Am Ende des Projekts werden diese Aufzeichnungen ausgewertet. Zudem wurden im Projektverlauf die gesamten  Kosten für Babys im ersten Lebensjahr besprochen und berechnet. Ein Gang mit den Babys im Maxicosy in den Supermarkt zum Vergleich von verschiedenen Sorten Babynahrung ergänzte die Aufgaben der „Elternpaare“. Nach zwei anstrengenden Nächten, vor denen einige wenige Schüler*innen am liebsten schon auf dem Nachhauseweg wieder aus dem Projekt ausgestiegen wären, war das Fazit für alle doch: Es hat sich gelohnt, einen Einblick in das Leben von frischgebackenen Eltern zu bekommen.

Die Schüleraussagen „Ich gebe es zur Adoption frei!“  und „Das ist doch alles Frauensache!“ bis zu „Mir fiel es schwer, das Baby wieder abzugeben“ boten viele Anlässe zu Diskussionen mit den Klassenlehrerinnen Daniela Büren, Birgit Warda und  Ute Gieselmann. Am letzten Tag des Projekts informierten die Mitarbeiterinnen der Frühen Hilfen noch über Schädigungen des Embryos während der Schwangerschaft mit Hilfe von Babymodellen einer alkoholabhängigen und einer drogenabhängigen Mutter. Besonders schockiert zeigten sich die Schüler*innen durch die Demonstration eines Babysimulators mit Schütteltrauma. Anhand eines transparenten Kopfes wurde demonstriert, wie das Gehirn durch das Schütteln an die Schädeldecke stößt und welche Areale dadurch Schaden nehmen können.

Das „Babybedenkzeit-Projekt“ soll zukünftig einen festen Baustein innerhalb  des Lehrplans der Klassen 9 der Kuhlenkampschule darstellen.