Hilfsschule  -  Sonderschule  -  Förderschule

 

Die Mindener Hilfsschule wurde am 4. Mai 1905 als freiwillige Schuleinrichtung der Stadt Minden gegründet. Sie bestand damals aus einer Klasse mit 13 Schülern und einem Lehrer. In den Jahren 1908, 1913 und 1921 stieg die Schülerzahl so an, dass je eine Klasse mehr eingerichtet werden musste.
1913 wurde erstmals in Erwägung gezogen, der Schule ein eigenes Gebäude zu bauen. Die Pläne wurden aber im 1. Weltkrieg zerstört, so dass die Schule über fast 50 Jahre behelfsmäßig in anderen Gebäuden untergebracht war: In einer Baracke des längst vergessenen Krankenhauses an der Brüderstraße, in Kellerräumen der Knaben-Mittelschule (Alte Kirchstraße) , im Kinderhort am Königsplatz, in einem Nebengebäude des Lyzeums, in der Mädchen-Mittelschule und in der Domschule.

Ein Gebäude gab es nicht, aber am 1.Juni 1927 bekam die Schule, auf Beschluss der Mindener Stadtverordneten, einen richtigen Namen: Aus der Hilfsschule wurde die Pestalozzischule, benannt nach Johann Heinrich Pestalozzi, einem Vorläufer der Reformpädagogik.

Gegen Ende des 2. Weltkrieges wurde der Unterricht, nach der Bombardierung der Domschule, völlig eingestellt. Erst im Januar 1946 wurde der Unterricht wieder aufgenommen, aber auch dann standen den Klassen nur Behelfsräume zur Verfügung, weitere Umzüge waren notwendig: Zuerst in die Bürgerschule I (Ritterstraße), dann in die Knaben-Mittelschule (Alte Kirchstraße).

Hinzu kam, dass die Räume teilweise noch bombengeschädigt und schlecht oder gar nicht beheizbar, Papier und Schulbücher nicht vorhanden waren. Dennoch fand Unterricht statt: 134 Schüler wurden von 3 Lehrern unterrichtet, später standen für 172 Schüler 5 Lehrer zur Verfügung.

Im Januar 1952 schließlich, also nach 47 Jahren, konnte die Schule ein eigenes Gebäude beziehen: Ecke Goebenstraße / Grimpenwall.
Endlich gab es die nötigen 8 Klassenräume, einen Werkunterrichtsraum, ein Rektor- und ein Lehrerzimmer, einen Lehrmittelraum, ein Untersuchungszimmer und ein Elternsprechzimmer. Die Kosten für den Ausbau des Hauses beliefen sich damals auf 40 000 DM. Der damalige Schulleiter beschrieb das Schulgebäude als „die geräumigste und besteingerichtete Hilfsschule in Nordrhein-Westfalen“.
Das Mindener Tageblatt beklagte, „die raummäßig unzureichende Unterbringung der Hilfsschulen scheint ein allgemein üblicher Zustand zu sein“.

Etwa 20 Jahre später hatte sich daran nicht viel geändert, so dass der nächste (oder übernächste?) Schulleiter wieder den Kampf für ein neues Schulgebäude aufnahm. Anfang der 70er Jahre konnte er die Stadt Minden schließlich überzeugen. Im Mindener Ortsteil Kuhlenkamp wurde eine neue Schule gebaut, die, 1974, mit dem Einzug der Schülerinnen und Schüler auch wieder einen neuen Namen bekam. Die Bezeichnung war nun: Kuhlenkampschule, Sonderschule für Lernbehinderte.

An einem Sonntagvormittag im Dezember 1984 brach im Gebäude ein Brand aus, der nicht rechtzeitig gelöscht werden konnte, so dass die Schule nicht mehr betreten werden durfte und abgerissen werden musste, lediglich die Turnhalle konnte erhalten bleiben. Während der 18monatigen Bauzeit des Wiederaufbaus wurden die Klassen der Kuhlenkampschule – ganz nach alter Tradition! - auf leere Klassenräume anderer Schulen aufgeteilt. Der Unterricht fand an 6 unterschiedlichen Orten statt.
Schließlich wurde die Schule im Sommer 1986 wieder eingeweiht. Das Gebäude wurde auf den Grundmauern und nach etwa demselben Grundriss wie vorher gebaut, allerdings wurde das Flachdach durch ein Walmdach ersetzt. Als Anbau erhielt die Schule den Dorfgemeinschaftsraum der Gemeinde Kuhlenkamp, der heute der Schule als Essraum und für Feierlichkeiten zur Verfügung steht.

2005 wurde die Bezeichnung der Schule auf Veranlassung des Ministeriums für Schule und Weiterbildung in NRW noch einmal geändert:
Kuhlenkampschule – Förderschule mit Förderschwerpunkt Lernen.

Im Schuljahr 2015/2016 wurden an diesem Standort 146 Schülerinnen und Schüler von 17 Lehrerinnen und 6 Lehrern unterrichtet. Das Einzugsgebiet erstreckte sich über die ganze Stadt Minden und die Gemeinde Hille.

Nach dem 9. Schulrechtsänderungsgesetz aus dem Jahr 2013 müssen jetzt und künftig Förderschulen Lernen mit weniger als 144 Schülerinnen und Schülern aufgelöst werden. Die Stadt Minden ist diesem Beschluss mit einer Kooperation mit den Nachbarstädten begegnet. Durch die Zusammenlegung mit der ehemaligen Porta-Schule (Förderschule mit Förderschwerpunkt Lernen der Stadt Porta Westfalica) und durch die Aufnahme der Schülerinnen und Schüler der ehemaligen Birkenkampschule (Förderschule mit Förderschwerpunkt Lernen der Stadt Petershagen) kann die Kuhlenkampschule weiter erhalten bleiben.

Im Schuljahr 2016/2017 werden 224 Schülerinnen und Schüler aus Minden, Hille, Porta Westfalica und Petershagen von 23 Lehrerinnen und 7 Lehrern unterrichtet.

 

Quellen:    Mindener Tageblatt vom 2.5.1930 bzw. 14.6.1955,

                 Mindener Zeitung vom 3.5.1930